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München – mehr als nur Oktoberfest

Europa Die bayrische Landeshauptstadt ist eines der Lieblingsziele der Schweizer für Kurztrips und Ausflüge. Kein Wunder: München verbindet bayrische Gemütlichkeit und Tradition mit Design, Innovation und spannender Architektur. München zeigt: Die Mischung macht’s.

Miriam Dibsdale

Bier, Weisswurst und Lederhosen. Diese drei Dinge werden von Menschen auf der ganzen Welt mit München in Verbindung gebracht. Schade, denn natürlich bietet die Stadt unendlich viel mehr als nur diese Klischees. Auf diese Dinge wollen wir in dieser Ausgabe den Scheinwerfer richten.

 

Fangen wir mit derjenigen Facette der Stadt an, die sich dem München-Besucher am schnellsten offenbart: die Architektur. Wer vom Karlstor die Neuhauser-Strasse entlang flaniert, kommt nicht nur in den Genuss unzähliger Shopping-Möglichkeiten, sondern auch geschichtsträchtiger Bauten, die einen ganz besonderen Charme versprühen. Die Einkaufsstrasse (Fussgängerzone) ist eine der ersten Anlaufstellen für Touristen. Sie mündet in die Kaufingerstrasse. Hier erhaschen Besucher einen Blick auf die bekannte Frauenkirche, eines der Wahrzeichen der Stadt. Schnell fällt auf, dass in München vergleichsweise wenige Hochhäuser stehen. Das überrascht, schliesslich befindet man sich doch in der drittgrösste Stadt Deutschlands, mit 1,41 Millionen Einwohnern. Die Idee dahinter: München soll seinen historischen Charme bewahren, weswegen der Bau hoher Gebäude innerhalb des Mittleren Rings Tabu ist.

 

Wer auf einer Stadttour auf der Suche ist nach einem besonderen Einkaufserlebnis, findet dieses in der mondänen Einkaufspassage «Fünf Höfe» (Standort: Theatiner- Ecke Salvatorstrasse, Zentrum). Mit den Fünf Höfen öffnete das Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron einen ehemals geschlossenen Altstadtblock aus historischen Gebäudeteilen und wandelte ihn in ein modernes Ensemble aus Höfen und Passagen um. Elegante Läden, Cafés, Restaurants und die unterschiedliche künstlerische Gestaltung geben jedem Hof, jeder Passage ein eigenes, unverwechselbares Flair. Hier ist auch die Kunsthalle der Hypokulturstiftung zu Hause (hypo-kunsthalle.de).

 

Kunst aussen, Kunst drinnen

München-Entdeckern, die Architektur und Kultur verbinden möchten, sei ein Besuch im Museum Brandhorst empfohlen, dem farbenfrohen Haus für die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Mit dem Museum Brandhorst  wurde das Münchner Kunstareal auf eindrucksvolle Weise erweitert. Das vom Architektenteam Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton entworfene Museum ist ein schmaler, langgestreckter Bau. Die Aussenhaut besteht aus Lamellen von 36’000 glasierten Keramikstäben, die je nach Lichteinfall in den verschiedensten Farben schimmern. Innen entfalten sich drei Ausstellungsebenen, die durch eine grosszügige Treppe miteinander verbunden sind. Über seinen ästhetischen Anspruch hinaus ist das Museum Brandhorst auch in Sachen Klimaschutz vorbildlich: Sowohl mit seinem modernen Lichtkonzept, das vorrangig auf Tageslicht setzt, als auch durch die energiesparende Technik bei der Regulierung der Raumtemperatur. Und natürlich gibt es im Museum auch bedeutende Kunst zu sehen, der Schwerpunkt liegt auf den Werken von Andy Warhol und Cy Twombly. Informationen unter museum-brandhorst.de.

 

Kunst und Kultur werden in München generell grossgeschrieben. Und das seit jeher: Die Wittelsbacher, die geschichtsträchtige Familie mit Märchenkönig Ludwig II. in ihrer adeligen Ahnenreihe, haben in über 700 Jahren leidenschaftlichen Einsatzes für die Kultur den Grundstein für das einzigartige Zusammenspiel von Musik, Theater und Museen gelegt. Heute ist der Musikliebhaber König in einem der renommiertesten Opernhäuser der Welt und bei den Konzerten von Orchestern der Spitzenklasse. Das Herz der Stadt schlägt zu den Werken der Klassik genauso wie zu den Rhythmen von Rock und Pop, Techno, Indie oder Alpenrock. Auf ihren Bühnen werden Gegenwartsstoffe so packend in Szene gesetzt, dass die nationale und internationale Theaterkritik ins Schwärmen gerät. Beim Blick auf die Hauptwerke in den Kunstmuseen im Kunstareal der Münchner Maxvorstadt, spannt sich der Bogen über mehrere Jahrtausende von der Doppelstatue des Königs Niuserre in der Staatssammlung Ägyptischer Kunst bis hin zu Beuys’ Arbeiten in der Pinakothek der Moderne und im Lenbachhaus. In München zuhause ist insbesondere auch eine junge und kreative Künstler- und Wissenschaftsszene. Das Zusammenwirken der Museen, der Hochschule für Fernsehen und Film, der Akademie der Bildenden Künste München, der Technischen Universität und der Ludwig Maximilians Universität (LMU), die in Rankings immer wieder Spitzenplätze belegt, trägt wesentlich zu einem innovativen und kreativen Umfeld bei. Und weil viele international renommierte Gestaltungskünstler so gerne in München leben und arbeiten, gilt München auch als Designhauptstadt Deutschlands.

 

Alles ein bisschen entspannter

Architektur und Kultur sind schön und wichtig, doch nach München kommt man auch, um zu entspannen. Im Sommer ist klar, wohin einen der Weg führt: in die weltberühmten Biergärten. Unter dem Blätterdach der Kastanien kommt jeder Besucher in den Genuss der schönsten Klischees über die Stadt: Brezen, Bier und echte Gemütlichkeit, das Staunen, dass hier wirklich jeder mit jedem redet. Über Gott und die Welt und über das, was man in der Stadt auf keinen Fall verpassen darf. In den Winterzeit geniesst man die bayrische Gemütlichkeit hingegen in einem der zahlreichen altehrwürdigen Wirtshäusern. Diese bieten feine Kost und das beliebte Weissbier. Der bekannteste Vertreter dieser Wirtshäuser ist natürlich das Hofbräuhaus. Eine Empfehlung der Redaktion ist aber der Ratskeller, der sich, wie der Name vermuten lässt, unter dem Ratshaus erstreckt. Das Labyrinth aus Gewölben, Speisehallen und Säälen sucht seinesgleichen und ist nur schon seiner Grösse wegen einen Besuch wert.