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Bildquelle: www.peachweber.ch

«Ich bin gerne Schweizer»

Schweiz Seit über 40 Jahren steht Peach Weber auf der Bühne und ist noch kein bisschen müde. Der Schweizer Komiker sprach im Interview mit «Fokus Unsere Schweiz» über seine Heimat, seinen Weltrekord und seinen Relax-Sessel.

Remo Bürgi

Peach Weber, Sie haben in einem Song den Schweizer Sommer beschrieben: «Nachem räägne, chonds cho schiffe, nachem schiffe, do seichts…». Haben Sie Mühe mit dem Schweizer Wetter?

Nein, lustigerweise gefällt mir in der Schweiz wirklich fast alles, sogar das Wetter. Im Sommer reichen mir 27 Grad völlig. Alles darüber bringt mir persönlich nicht mehr Lebensqualität.

Was mögen Sie nicht an der Schweiz? Was funktioniert anderswo besser oder ist dort angenehmer?

Manchmal denke ich, uns Schweizern würde ein bisschen Italianità guttun, zumindest uns Deutschschweizern. Ich habe selber etwas italienisches Blut in mir, meine Mutter kam aus dem Südtirol. Deshalb mag ich die Italiener. Aber arbeiten möchte ich in Italien nicht – das ist eher mühsam, weil vieles bei den Behörden nicht funktioniert.

Welche Schweizer Produkte oder Spezialitäten vermissen Sie, wenn Sie im Ausland weilen?

Unser feines Brot oder eine knusprige Rösti.

Was sind die wichtigsten Werte und Traditionen, die wir in der Schweiz auf jeden Fall erhalten und pflegen sollten?

Ich finde es gut, dass wir doch eher bedächtig sind und oft zuerst mal schauen, wie andere mit etwas Neuem auf die Schnauze fallen. Wenn nicht, können wir es ja dann immer noch einführen. Der Schweizer ist mehrheitlich eher bodenständig, auch wenn er in der SP, CVP, FDP oder bei den Grünen ist. Das gefällt mir.

Lachen ist wohl die ehrlichste und direkteste Reaktion des Menschen, man kann es nicht spielen, ohne dass das Gegenüber es merkt.

Apropos erhalten: Das bleiben Sie Ihren Fans noch beinahe zehn Jahre. Ihren Rücktritt haben Sie schon vor längerer Zeit auf den Tag nach Ihrem 75. Geburtstag im Oktober 2027 festgelegt. Wie kam es zu dieser doch sehr frühzeitigen Ansetzung?

Das Ganze war ursprünglich eine witzige Idee meines Bruders. Wir haben dann aber sofort gedacht, das lasse sich nicht durchführen, weil beispielsweise Ticketcorner sicher nicht 20 Jahre lang Vorverkauf mache. Als dann aber alle, auch das Hallenstadion und schlussendlich das «Guinness-Buch der Rekorde», die Idee lustig fanden, versuchten wir es. Und es hat geklappt: Wir werden den Weltrekord für den längsten Vorverkauf schaffen!

Was, wenn Sie dann noch nicht aufhören wollen?

Ich werde dann ganz sicher aufhören als Komiker, denn ich fand es immer peinlich, wenn andere Kollegen endlose Abschiedstouren machten. Aber das heisst nicht, dass ich dann nicht vielleicht noch Karriere mache als Bundesrat oder Papst.

Welche Rückmeldungen haben Sie von Ihren Fans zum geplanten Abschied erhalten?

Meine Fans sind schlau, die haben den Gag verstanden. Immerhin haben schon insgesamt etwa 12’000 Leute ein Ticket gekauft. Ich bekomme herzige Rückmeldungen. Zwei haben mir geschrieben, dass sie zu meinem ersten Auftritt, den sie besucht haben, mit dem «Töffli» 20 km durch strömenden Regen gefahren sind. Das wollen sie 2027 wiederholen und auf dem selben Weg ins Hallenstadion kommen.

Zurück in die Gegenwart: Mitte Oktober haben Sie ihr neues Projekt «iPeach» gestartet. Wie haben Sie die ersten Auftritte erlebt?

Die Tour funktioniert super! Es ist jedes Mal wieder beruhigend, wenn man merkt, dass man den Lachnerv der Leute voll getroffen hat. Bei den ersten zehn Vorstellungen ändere ich normalerweise noch viel, diesmal war es aber gar nicht nötig.

Spüren Sie bei Auftritten im Aargau einen Heimvorteil?

Nein, denn es zählt nur das Programm. Wenn es nicht lustig wäre, würde niemand mir zuliebe lachen, nur weil ich Aargauer bin. Lachen ist wohl die ehrlichste und direkteste Reaktion des Menschen, man kann es nicht spielen, ohne dass das Gegenüber es merkt.

Mein Ehrgeiz ist es allerdings immer, dass das Programm zu 100 Prozent neu ist. Ich schleppe keine alten Nummern mit.

Was können Ihre Fans von «iPeach» erwarten?

Ich glaube, nach inzwischen 40 Jahren weiss so ziemlich jeder, was ich mache. Er kann also gut entscheiden, ob er in die Vorstellung kommen will. Ich habe nicht viele Talente, aber ich kann Lieder, Gäx und Gedichte machen. Mein Ehrgeiz ist es allerdings immer, dass das Programm zu 100 Prozent neu ist. Ich schleppe keine alten Nummern mit, wie es andere teilweise machen. Sogar die Zugabe ist bei mir jeweils noch ein neues Lied.

Wie lange haben Sie an diesem neuen Programm gearbeitet?

Ich schreibe dauernd alles auf, was mir in den Sinn kommt und von dem ich annehme, dass ich es einmal für ein Programm brauchen könnte. Wenn ich mich dann an das Schreiben mache, habe ich meistens eine Kiste mit vielen Zetteln voller Ideen. Daraus bastle ich dann ein Programm, wofür ich ungefähr drei Monate brauche.

Sie haben ihren Anspruch erwähnt, immer wieder neue Gags, Geschichten und Lieder zu präsentieren. Welche Inspirationsquellen nutzen Sie dafür?

Die ganz guten Ideen kommen meistens wie Geistesblitze und man kann nachher gar nicht mehr sagen, wie man darauf kam. Oft sind es auch Situationen im Alltag, die einen inspirieren. Am meisten kommt mir übrigens unter der Dusche oder beim Autofahren in den Sinn.

Neben Ihren Bühnenprogrammen gestalten Sie auch kurze Comics und schreiben eine Kolumne in der AZ. Wie wichtig ist Ihnen diese Abwechslung?

Ja, die Comics zeichnet René Lehner. Er hat auch die zwei Bände unseres Kinderbuches «Zwerg Stolperli» gezeichnet. Weil der erste Band sehr gut lief, haben wir vor zwei Monaten den zweiten Band herausgegeben. Die Kolumnen sind mir sehr wichtig, ich kann mich da einem ernsten Thema widmen, natürlich mit etwas Humor gewürzt. Ich bekomme darauf immer sehr schöne Reaktionen.

Haben Sie andere Projekte, die Sie bis 2027 noch realisieren möchten? Irgendeine Idee, die schon lange in Ihrem Kopf herumgeistert?

Mit dem «Zwerg Stolperli» ist ein solches Projekt Realität geworden. Da ich nach wie vor sehr viele Auftritte mache, bleibt wenig Raum für andere Projekte – aber wer weiss? Ich lasse mich von mir selber überraschen, ich bin nämlich nicht sehr ehrgeizig.

Ich reise nicht gern und bevorzuge alles Vertraute um mich herum zu haben.

Was an Ihnen ist denn typisch schweizerisch, was vielleicht ganz und gar unschweizerisch?

Es ist immer schwierig, sich selber zu kategorisieren. Ich bin gerne Schweizer und deshalb vermute ich, dass ich ziemlich typisch schweizerisch bin. Ich kann mir auch kein anderes Land vorstellen, in dem ich leben möchte. Vielleicht bin ich allerdings punkto Entscheidungsfreude etwas dynamischer als der Durchschnitts-Schweizer?

Wo in der Schweiz verbringen Sie Ihre Ferien am liebsten?

Bei mir zuhause. Ich reise nicht gern und bevorzuge alles Vertraute um mich herum zu haben. Wenn mich jemand strafen möchte, kann er mir eine Wellness-Woche schenken. Ich hasse das, Wellness macht mich nervös. Wenn ich runterfahren will, dann lege ich mich in meinen Relax-Sessel. Da bin ich nach einer halben Stunde völlig entspannt.

Gibt es einen Ort in der Schweiz, den Sie unbedingt noch sehen möchten?

Ich habe durch meinen Job schon sehr viele schöne Flecken der Schweiz gesehen und staune immer wieder über die Vielfalt in unserem Land. Mir gefällt es vor allem überall dort, wo es einen Fluss oder einen See hat.

Was muss unser Land tun, um modern und erfolgreich zu bleiben?

Es muss sich treu bleiben, darf sich aber Neuem gegenüber nicht verschliessen. Die Schweiz war schon immer innovativ, zum Beispiel in der Uhrenbranche. Diesen Sinn, diese Offenheit darf sich unser Land nicht kaputtreden lassen.

Und was tut Peach Weber persönlich, um «nicht von gestern» zu sein?

Ich informiere mich darüber, was in der Welt so läuft; was politische, technische oder philosophische Strömungen sind. Ich bin immer noch neugierig – ich glaube, erst wenn man die Neugierde verliert, ist man alt.

Klipp und klar – bekennen Sie Farbe! Fondue oder Rösti?

Rösti, darf ruhig ein paar Speckwürfeli drin haben und ein Ei draufliegen, stört mich nicht.

Berge oder Meer?

Da kann ich mich fast nicht entscheiden, 50/50.

Jodeln oder Trachtentanz?

Jodeln

Heidi oder Geissenpeter?

Geissenpeter. Ich als Peter, das ist ja klar.

Sauberkeit oder Pünktlichkeit?

Pünktlichkeit, das ist für mich Respekt vor dem anderen.

Schwingen oder Hornussen?

Schwingen, die Regeln beim Hornussen habe ich noch nie verstanden.