180638887

Fernreisen: Kultur oder Sandstrand, jedem das seine

Abenteuer Eine Fernreise zu unternehmen bedeutet, nach zehn Stunden Flug in eine neue Welt einzutauchen. Um der Kultur und den Sehenswürdigkeiten eines Landes auf den Grund zu gehen – oder sich einfach an einem traumhaften Sandstrand zu erholen.

Miriam Dibsdale

China ist für Europäer, und besonders für uns Schweizer, ein Land von unglaublichen Dimensionen. Ein aktuelles Beispiel einmal aus einer ungewohnten Perspektive: Das Neujahrsfest ist der wichtigste Feiertag in China. Experten sprechen von der «grössten Völkerwanderung der Welt», wenn die Chinesen über die Feiertage zu ihren Familien reisen. Das chinesische Neujahr begann heuer am 19. Februar. Chinas Verkehrsbehörden registrierten dabei einen neuen Reise-Rekord: Geschätzte 9,7 Millionen Reisen wurden mit dem Zug unternommen, 1,4 Millionen mit dem Flugzeug und 73,6 Millionen mit dem Auto.

 

Das zeigt die Dimensionen dieses Landes auf, welches von Europäern so unterschiedlich wahrgenommen wird. Das Empfinden schwankt dabei zwischen neugierigem Interesse und Respekt vor diesem Land mit seinen 1, 34 Milliarden Einwohnern. Und China verändert sich rasant – diese Veränderungen sind ohne Wissen um historische Entwicklungen, Traditionen und Konventionen nur schwer verständlich. Denn das moderne China kann nicht losgelöst von der Vergangenheit gesehen werden.

 

Wer nun eine Reise in dieses mystische Land unternehmen und einen persönlichen Eindruck gewinnen will, sollte allerdings nicht nur eine Stadtrundfahrt durch Peking machen und die Chinesische Mauer besuchen. «Reisende sollten nicht nur die touristischen Hotspots ansteuern. Mischen Sie sich unter die Leute, beobachten Sie, wie sich die Chinesen verhalten, was sie tun und was im Alltagsleben passiert», sagt Barbara Lüthi, langjährige SRF-Korrespondentin in Peking, in einem Zeitungsinterview. «Gehen Sie morgens um halb sieben, sieben Uhr in einen der vielen Parks und sehen Sie den Chinesen beim Frühsport zu. Hören Sie zu, wie in der einen Ecke des Parks ein paar Chinesen Revolutionslieder trällern und wie in einer anderen Ecke TaiChi ausgeübt wird.» Und an einer wieder anderen Stelle wagen andere ein Tänzchen. «Das ist China pur», sagt Lüthi. Als Grundregel gelte, mit offenen Augen durch die Stadt und das Land zu gehen und die ausgetretenen Touristenpfade zu verlassen. Gefährlich sei das nicht, China sei ein sicheres Land.

 

Englisch hilft nicht weiter

Trotz aller Bemühungen der Behörden sprechen immer noch viele Chinesen gar kein Englisch oder können – vor allem in den Touristenhochburgen – nur ein paar auswendig gelernte Phrasen aufsagen. Wenn ausländische Touristen im Reich der Mitte auf Entdeckungstour gehen, sollten sie sich nicht darauf verlassen, auf Englisch nach dem Weg fragen zu können. In der Hauptstadt Peking können auch viele Taxifahrer mit Ausnahme eines «Bye bye» zum Abschied kein Wort Englisch. Wer als ausländischer Besucher sichergehen will, dass er zu seinem Hotel zurückfindet, sollte einen Zettel mit der Adresse in chinesischen Schriftzeichen bei sich tragen. Oder ein Handy mit der Telefonnummer von jemandem, der beide Sprachen spricht und dem Taxifahrer den Weg weisen kann – ansonsten bleibt nur die Zeichensprache.

 

Während es bei einer Chinarundreise darum geht, Land und Leute und die Kulturgüter dieses Landes kennenzulernen, lautet das Ziel der Karibikreisenden eher «Sonne pur und Lebensfreude». Wer im Atlas nachschaut, findet die Karibik im westlichen, tropischen Teil des Atlantischen Ozeans nördlich des Äquators. Sie verdankt diese Bezeichnung den Kariben; dieses Volk haben die spanischen Eroberer vorgefunden, als sie die Inseln entdeckten.

 

Aruba, Bahamas, Dominikanische Republik, Kuba, Haiti, St. Lucia und unzählige andere Inseln stehen für Sandstrand, Sonne, Lebenslust, Freude. Auf diesen malerischen Inseln scheint fast ganzjährig die Sonne bei einer Durchschnittstemperatur von 25 Grad. Fast alle Reisebüros haben Karibikreisen im Programm; viele Destinationen sind von Europa aus mit Direktflügen zu erreichen. Die klimatisch beste Reisezeit ist von Mitte November bis Ende Juni. Im September und Oktober ist Hurrikanzeit; von Reisen in diesem Zeitraum ist deshalb abzuraten. Ausgenommen sind die Curacao und Bonaire sowie Trindad & Tobago, die ausserhalb des Hurrikangebietes liegen.

 

Tipps von Experten

«Wer die Karibik einmal anders erleben will, bucht die Kombination Dominikanische Republik und Haiti», sagt Pascal Wieser von Vögele Reisen. Diese Insel hätte neben den Traumstränden vieles zu bieten. Die für die Karibik typische Tropenlandschaft, geschichtsträchtige koloniale Bauwerke und eindrucksvolle Lagunen. Fragt man Karibik-Experten nach weiteren Geheimtipps, bekommt man zahlreiche Vorschläge; auffallend oft werden aber die Inseln von St. Vicent und den Grenadinen genannt. Unverfälschte Natur, karibischer Charme sowie ein angenehmes tropisches Klima seien hier zu finden. Zudem sind sie für Reisende geeignet, die dem Massentourismus ausweichen wollen. So kann man auf St. Vincent nicht nur baden sondern auch in knapp drei Stunden den Vulkan La Soufrière besteigen. Vom Kraterrand hat man einen atemberaubenden Blick über die Insel. Oder, als sportliche Variante, kann man mit einem gemieteten Kajak um die Südküste der Insel paddeln und die versteckten Fledermaushöhlen besuchen. Auch Tauchen und Schnorcheln sind insbesondere bei den Tobago Cays unvergessliche Erlebnisse. Wer in zwei oder drei Wochen mehrere Inseln kennenlernen will, kann eine Kreuzfahrt buchen. Die Schiffe laufen, je nach Programm und Anbieter, verschiedene Inseln an. So können die Passagiere tagsüber weisse Sandstrände unter Palmen geniessen und nachts den Komfort eines Luxusschiffes. Allerdings kann es im Spätsommer und im Herbst zu schweren Stürmen kommen. Wer zu dieser Zeit die Karibik-Kreuzfahrt bucht, sollte nicht der Typ sein, der schnell seekrank wird.