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Aktivferien in der Schweiz – für Körper, Geist und Seele

Abenteuer Sonne, Strand Meer – für viele ist das der Inbegriff erholsamer Ferien. Aber nicht für alle: Aktivferien werden immer beliebter.

Matthias Mehl

Wer sich während den Ferien sportlich betätigt, erholt sich wesentlich besser als jemand, der nur am Pool liegt und Sonne tankt. Diese Erkenntnis ist mittlerweile fast überall angekommen, wie die grosse Nachfrage zeigt. Aktivferien werden immer beliebter. «Wenn man in der Schweiz von einem Trend reden will, muss man sicher Kanufahren und Wandern erwähnen», sagt Heinz Berchtold vom Aventura-Travelshop in Uster. Er verkauft zwar keine Reisen, aber das Zubehör dafür. Der Rhein und die Thur sind die bevorzugten Flüsse der Zürcher, um ihr Kanu zu wässern. Aber auch die Reuss oder, etwas wilder, die Simme im Berner Oberland. Geplagt von Stress, Büro, Lärm, Computer und Menschenmassen findet man auf den Gewässern zurück zur Ruhe und Gelassenheit. Und, wenn es der Schwierigkeitsgrad des Gewässers zu zulässt, ist es ein Abenteuer für die ganze Familie.

Auf dem Wasser von Andelfingen nach Eglisau

Mit den ersten warmen Tagen beginnt bereits wieder die Kanu-Saison. Ein guter Einstieg im Frühling ist es, auf der Thur in den Rhein zu paddeln. Vorbei an grünen Wäldern, zahlreichen Kiesstränden, Biberspuren, malerischen Weinbergen und romantischen Dörfern mit den typischen Riegelbauten des Zürcher Weinlandes. An schönen Stränden kann eine Pause eingelegt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die Naturschutzgebiete entlang des Ufers nicht betreten werden. Der Biber wurde hier erfolgreich angesiedelt und wer darauf achtet, kann an den Bäumen Nagespuren entdecken.

Wandern ist des Schweizers Lust

Ein Akivferien-Hit ist nach wie vor das Wandern. Die Kinder freut es zwar nicht immer und sie teilen die Begeisterung der Eltern meistens nicht – aber zu einer Tageswanderung zu einem tollen Ziel mit Kletterpark zum Beispiel sind auch die Kleinen zu bewegen. «Gewandert wird ab vierzig», sagt Heinz Berchtold. «In diesem Alter entdeckt man immer mehr die Schönheiten der Natur und will gemächlich und erholsam vorwärtskommen.» Der Trend gehe dabei zu Mehrtageswanderungen mit vorgebuchten Übernachtungen in schönen Hotels, wo man sich im Wellnessbereich von den Strapazen erholen könne. Oder aber auch, etwas anspruchsvoller, von Berghütte zu Berghütte im voralpinen Bereich.

 

Eine der eindrücklichsten Wanderungen ist übrigens diejenige dem Aletschgletscher entlang im Wallis. Dabei stehen 32 Viertausender Spalier und nur wenige Minuten von der Bergstation Bettmerhorn entfernt wartet der Aussichtspunkt Gletscherblick – und bietet ein spektakuläres Erlebnis. Einzig in die Schranken verwiesen von den Berner Alpen, macht sich der Aletschgletscher breit. Europas grösster Eisstrom mag sich zwar etwas zurückziehen, eindrücklich präsentiert er sich aber immer noch.

Aktivferien für einen guten Zweck

Wer Aktivferien im wahrsten Sinne des Wortes machen will und erst noch für einen
guten Zweck, meldet sich bei  Pro Natura oder bei der Stiftung Umwelt-Einsatz. Die beiden Organisationen vermitteln Umwelt-Einsätze für Erwachsene und Jugendliche  zum Schutz und zur Pflege von Natur und Kulturlandschaft. Das heisst zum Beispiel auf der Alp Panära (SG) die Weiden von Steinen befreien oder entlang der Septimer-Wanderroute in Graubünden Trockenmauern sanieren oder den Sortengarten in Erschmatt VS jäten. Diese Einsätze sind von Mai bis September möglich. Normalerweise wird in Gruppen bis zu 15 Personen gearbeitet. Neben der – harten – Arbeit tagsüber wird auch ein einfaches Rahmenprogramm angeboten. Das gemeinsame Essen gehört dazu oder auch einmal ein Ausflug. Übernachtet wird in Alphütten, Massenlagern oder einfachen Hotels.

Eine Städtereise in der Schweiz

Städtereisen sind Aktivferien für den Geist und die Entdeckungslust. Meist kennen die Schweizer und Schweizerinnen London und Paris, Barcelona und Rom besser als die Städte im eigenen Land. Warum nicht einmal eine Städtereise innerhalb der Schweiz – zum Beispiel in die Westschweiz? Genf ist eine attraktive, internationale Stadt mit französischem Flair, eingebettet zwischen den nahen Alpengipfeln und dem Hügelzug des Juras am westlichen Ende des Genfersees. «Hauptstadt des Friedens» wird der europäische Sitz der UNO und Hauptsitz des Roten Kreuzes genannt, mit seiner humanitären Tradition und dem weltstädtischen Flair. Genf ist kosmopolitisch, hier werden wichtige politische Entscheide gefällt und grosse Geschäfte getätigt. Es herrscht ein Kommen und Gehen – Genf ist eine pulsierende Stadt.

 

Und auch die Sehenswürdigkeiten halten dem internationalen Vergleich durchaus Stand: Genf ist im Frühling und Sommer die Stadt der Blumen; am Jardin Anglais wird jedes Jahr eine Blumenuhr mit einem Durchmesser von vier Metern arrangiert. Den Weg weist der weithin sichtbare Jet d’Eau, eine 140 Meter hohe Wasserfontäne, die das Wahrzeichen Genfs darstellt.

 

Ausgangspunkt für einen Bummel durch die historische Altstadt ist der Vierungsturm der Cathédrale de St-Pierre auf dem höchsten Punkt des Altstadthügels. Der romanische Kirchenbau wurde von 1150 an errichtet und ist im Inneren durch calvinistische Strenge geprägt. Die vier calvinistischen Reformatoren Guillaume Farel, Jean Calvin, Théodore de Bèze und John Knox wurden im Monument de la Réformation etwas weiter südwestlich verewigt. Im nahe gelegenen Hôtel de Ville mit seiner sehenswerten Renaissancefassade wurde 1864 mit der ersten Genfer Konvention das Rote Kreuz gegründet.